von Karin Baseda-Maass

Mal wieder stehe ich in einer Schlange im Supermarkt und wie immer natürlich in der falschen.

Und während ich meinen Einkaufswagen langsam – ganz langsam in Richtung Laufband schiebe, erblicke ich endlich den Mann an der Kasse, der dort langsam – ganz langsam jedes Teil in Händen dreht, um den Strichcode der Waren über den Scanner zu führen. „Kann der Kerl das denn nicht schneller?“ frage ich mich im Stillen und verlagere ungeduldig mein Gewicht von einem Bein auf das andere.

Er kann es anscheinend nicht. Oder er will es nicht. Er greift sich einen Joghurtbecher vom Band, schaut ihn an, als wollte er ihn gleich selbst auslöffeln, besinnt sich aber und zieht ihn doch noch über den Scanner. Ebenso macht er es mit Tütensuppen, Blumenkohl und Bananen. Es dauert ewig, bis die Kundin bezahlen kann. Noch drei sind vor mir und ich frage mich: „Will der Kerl mir die Zeit stehlen?“

Und während ich so stehe und sinniere, kommt mir plötzlich der rettende Einfall: Der Mann stiehlt mir gar nicht die Zeit, er schenkt sie mir! Ich darf ruhig und gelassen einfach stehen und abwarten. Muss nicht schon wieder in Richtung Ausgang hetzen und nach Hause düsen. Ich darf einfach dastehen und denken. Ist das nicht schön?

# Link | Melody | Dieser Artikel erschien am Montag, 05. Januar 2009 um 23:35 Uhr in Unterhaltung, Gedichte und Geschichten | 5162 Aufrufe | 0 Kommentare | Kommentare per RSS-Feed abonnieren


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