von Petra A. Bauer

Muttertag -  brauch ich nicht. Das sagen besonders die Mütter gerne, die es blöd finden, wenn sich die Kinder das ganze Jahr über daneben benehmen, und dann einmal im Jahr ihre nette Seite zeigen. Das sind, nebenbei bemerkt, meist jene Mütter, die dann doch beleidigt sind, wenn nicht einmal am Muttertag an sie gedacht wird.

Die Sache mit der Dankbarkeit„Dankbarkeit kannst du von deinen Kindern nicht erwarten“, sagt meine Mutter immer, und die muss es wissen. Und meist stimmt das. Es wird als selbstverständlich erachtet, dass man den ganzen Tag putzt, wäscht, bügelt, kocht, Hausaufgaben beaufsichtigt, fallen gelassene Socken und Bonbonpapier aufhebt, Schmerzen wegpustet, Schulprobleme löst, und alles möglichst ohne zu schreien.

Dabei gibt es Tage im Leben einer Mutter – und das sind nicht wenige – da würde sie ihre Lieben gerne der Größe nach geordnet an die Wand tackern. Es finden Muttertage statt, da erschöpft sich das Verwöhnen der Erzeugerin in pflichtschuldig gemalten Herzchen, die auf Mamas Frühstücksteller platziert werden, damit das jeweilige Kind im Anschluss mit dem gewohnten Forderungsprogramm weitermachen kann.

Und dann Momente wie diese: An einem ganz normalen Donnerstag entdeckt die Mama auf dem – nicht von ihr selbst gedeckten – Abendbrotteller einen riesigen Brief: „Danke, dass du dir immer so viel Mühe von uns gibst!“ Darunter vier ungelenke Unterschriften. An einem anderen Tag wird das Essen gelobt und geschworen, keine andere Mutter auf der Welt könne so prima eine Dose öffnen, und es ist ernst gemeint.

Das alles sind Dinge, die gilt es zu entdecken und zu genießen, denn nicht immer ist die Liebesbekundung so deutlich, wie gestern Abend, als meine Sechsjährige ihren „Song der Liebe“ mit eigenwilliger Melodie und einem überraschenden Abschluss im Wohnzimmer darbot:

„Ich hab alle so lieb, hab meine Mama so lieb.
Sie ist die beste Mama der Weeeelt,
alle anderen Mütter sind nicht so neeett.
Und der liebe Papi und meine lieben Geschwister auuuuch
und meine lieben Meerschweineeeee.
Und Mami, es ist so toll, dass du so schöne Bücher schreiiiibst,
dann hab ich wieder was zu leseeeen.
Und liebe Mami, bitte,
dürfen wir morgen früh Scooby Doo im Fernseheeeen guckeeen?“

In diesen Momenten bin ich meinen Kindern sehr dankbar.

© Petra A. Bauer, 12.04.2004
Krimi-Autorin.de

# Link | Melody | Dieser Artikel erschien am Dienstag, 05. Juni 2012 um 23:24 Uhr in Über den Muttertag, Pro & Contra Muttertag, Unterhaltung, Gedichte und Geschichten | 6060 Aufrufe | 0 Kommentare | Kommentare per RSS-Feed abonnieren


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